Am Ende des Tannenwegs, wo die Bäume so dicht standen, dass der Schnee nur in Flocken statt in Decken fiel, stand das Winterhaus. Es war rot mit weißen Kanten, hatte eine Veranda mit grünem Geländer und ein rundes Fenster im Giebel, hinter dem im Sommer niemand wohnte. Im Winter wohnten dort alle.
Alle, das waren Mille, ihre Eltern, die kleine Schwester Tove, der Großvater Aske mit seinem Krückstock und die Katze Molly, die nicht zur Familie gehörte und trotzdem jeden Winter mitkam. Sie zogen am ersten Dezemberabend ein, wenn der Flur der Menschen zu laut wurde vor lauter Weihnachtsvorbereitungen und ein Wichtel Ruhe brauchte.
Großvater Aske hängte den Kranz an die Tür. Das war sein Amt, seit es das Haus gab. Er brauchte dafür drei Anläufe und einen Hocker, und jedes Jahr sagte er: „Der Nagel ist höher gewandert.“ Mutter trug den Kessel die Verandastufen hinauf, Vater die Laterne, und in jedem Fenster ging nach und nach ein Licht an, bis das Haus aussah wie ein Ofen, der Geschichten backt.
Mille und Tove blieben draußen. Sie bauten eine Schneelaterne, so wie Großvater es ihnen gezeigt hatte: Schneebälle im Kreis, Reihe um Reihe, nach oben immer enger, bis eine Kuppel entstand. In die Mitte kam ein Teelicht, das Vater anzündete, weil Wichtelkinder keine Streichhölzer anfassen. Als die Flamme brannte, leuchtete die ganze Kuppel von innen, als hätte jemand den Mond in den Schnee gesetzt.
„Warum machen wir das jedes Jahr?“, fragte Tove, die fünf war und alles wissen wollte. Großvater Aske setzte sich auf die Stufe, was lange dauerte. „Weil es dunkel ist“, sagte er. „Und weil ein Licht, das man selbst gebaut hat, wärmer ist als eins, das man kauft.“
Tove dachte nach. „Auch wenn es kälter ist?“ „Gerade dann“, sagte der Großvater.
In diesem Augenblick geschah über den Tannen etwas, das keiner von ihnen bestellt hatte. Der Himmel bekam einen grünen Saum, dann einen Vorhang, der sich bewegte wie Wasser. Molly machte einen Buckel. Mille vergaß zu atmen. Großvater Aske nahm die Mütze ab, was er sonst nie tat.
„Nordlicht“, sagte er leise. „Es kommt nur, wenn alle Fenster leuchten.“ Ob das stimmte, wusste Mille nicht. Aber sie sah, dass jedes Fenster des Winterhauses leuchtete, und dass die Schneelaterne leuchtete, und dass Toves Gesicht leuchtete, und sie beschloss, es zu glauben.
Später, als alle drinnen waren und der Kessel pfiff, schrieb Mille einen kurzen Brief an die Kinder im Flur der Menschen. Sie beschrieb das Haus, die Laterne und den Himmel. Am Ende schrieb sie: „Baut auch eine. Ihr braucht nur Schnee und ein Licht. Und jemanden, der es anzündet.“ Dann klebte sie den Brief zu und gab ihn Birk mit, der sowieso vorbeikam.


