Am dritten Adventswochenende roch das ganze Haus nach Zimt, und das lag nicht nur an den Menschen. Hinter der roten Tür hatte Mille die Backstube aufgebaut: ein Brett als Tisch, ein Fingerhut als Schüssel, eine Zuckerstange als Nudelholz, die bei jedem Rollen ein bisschen kürzer wurde.
Das Rezept war von Großvater Aske. Es stand auf einem Stück Papier, das so alt war, dass es sich an den Rändern wellte, und es hatte vier Zutaten: Mehl, Butter, Honig, Geduld. „Die Letzte ist die Wichtigste“, sagte Aske, „und die Erste, die ausgeht.“
Tove hatte keine Geduld. Tove hatte Puderzucker. Sie stand auf einem Knopf, um an den Tisch zu reichen, und streute, bevor überhaupt etwas im Ofen gewesen war. „Man zuckert am Ende“, sagte Mille. „Ich zuckere jetzt“, sagte Tove, „dann habe ich es nicht vergessen.“
Die Sterne stachen sie mit einem Hemdknopf aus, der fünf Zacken hatte, wenn man ihn richtig hielt. Zwölf Sterne, dann der Ofen, der eigentlich eine Teelichtschale mit Deckel war, und dann das Warten. Warten ist für Wichtel wie für Kinder: eine Zeit, in der die Welt plötzlich sehr lange Sekunden hat.
Molly roch es zuerst. Sie kam durch den Flur, blieb vor der Tür stehen und sah auf den Spalt, aus dem der Duft kam. Katzen mögen keinen Zimt. Molly blieb trotzdem. Sie hatte gelernt, dass hinter dieser Tür Dinge geschahen, die man nicht verpassen sollte.
Die ersten Sterne wurden schwarz. Die zweiten blieben blass. Die dritten, sagte Aske, als er einen zerbrach und hineinbiss, die dritten seien genau richtig, so wie seine Großmutter sie gebacken habe. Dann sagte er lange nichts mehr, und Mille tat so, als sähe sie nicht, dass er sich die Augen wischte.
Zwölf Sterne passten nicht alle hinter die Tür. Also legten sie sechs auf die Matte, in einer Reihe, mit einem Zettel: Für die großen Leute. Es sind die dritten. Die zweiten haben wir selbst gegessen.
Am Morgen fanden Jonas und Lea die Sterne. Sie waren winzig, kleiner als ein Fingernagel, und schmeckten nach Honig und ganz leicht nach Kerze. Lea aß drei. Jonas aß zwei und hob einen auf, in einer Streichholzschachtel, in der er noch heute liegt. Man kann ihn nicht mehr essen. Man kann ihn ansehen und wissen, dass jemand Geduld hatte.








