Am dreiundzwanzigsten Dezember packte Mille den Koffer. Er war aus einer Streichholzschachtel, mit einem Riemen aus Wollfaden, und er war schon voll, bevor sie angefangen hatte. Denn was man im Dezember sammelt, wiegt mehr, als es aussieht.
Ein Bild von Lea, gefaltet auf Briefmarkengröße. Ein Keks, nein, ein halber Keks, Jonas hatte den Rest gebraucht. Der Zettel mit dem Rezept. Ein Krümel Mehl, der an der Decke klebte und sich nicht lösen ließ. Eine Socke, die Molly ihr am Nachmittag vor die Tür gelegt hatte, ohne Erklärung.
„Du nimmst zu viel mit“, sagte Tove, die nicht mitkam. Tove blieb, denn kleine Schwestern bleiben, wo der Winter warm ist. „Ich nehme alles mit“, sagte Mille. „Sonst weiß ich am Nordpol nicht mehr, wo ich war.“
Großvater Aske saß auf der Stufe und sah zu. Er war zu alt für die Reise und zu stolz, es zu sagen, also sagte er stattdessen, die Eule fliege zu schnell und er bekomme davon kalte Ohren. Mille versprach, langsam zu fliegen. Beide wussten, dass man Eulen nichts versprechen kann.
Spät in der Nacht, als der Koffer vor der Tür stand und die Matte eingerollt war, kam Molly. Sie legte sich neben den Koffer, so nah, dass ihr Fell die Streichholzschachtel berührte, und blieb. Mille setzte sich daneben. Eine Weile sagte keine von beiden etwas, was bei einer Katze nicht auffällt und bei einer Wichtelin sehr.
„Ich komme wieder“, sagte Mille schließlich. „Wenn es dunkel wird. Du wirst es merken, weil es dann hinter der Tür wieder nach Zimt riecht.“ Molly blinzelte langsam, was in der Sprache der Katzen ungefähr dasselbe bedeutet.
Dann schrieb Mille den letzten Brief. Sie schrieb ihn dreimal, weil die ersten zwei zu traurig waren und ein Abschiedsbrief nicht traurig sein darf, sonst ist er kein Abschied, sondern ein Loch. Der dritte begann mit Hej, ihr Lieben und endete mit einem Satz, den sie von Aske hatte: Lasst die Tür hängen. Dann finde ich zurück.
Am Morgen des vierundzwanzigsten war der Koffer weg, die Laterne aus, der Brief lehnte an der Tür. Jonas las ihn vor, Lea hörte zu, und als er fertig war, sagte sie nur: „Dann lassen wir sie hängen.“ Das taten sie. Die Tür hängt noch. Und jedes Jahr, wenn es dunkel wird, riecht es im Flur ein kleines bisschen nach Zimt.








