Es hatte geschneit. Nicht draußen; draußen regnete es, wie es im Dezember an der Küste meistens regnet. Es hatte im Flur geschneit, genau vor der roten Tür, ein Häufchen Puderzuckerschnee, in dem eine winzige Wäscheleine stand.
Die Leine war zwischen einem Kerzenständer und einem Tannenzapfen gespannt. Daran hingen drei rot-weiß gestreifte Socken, ein Paar Fäustlinge, so klein, dass sie einer Maus gepasst hätten, und eine Decke mit einem Loch. Jonas hielt die Luft an. Lea sagte: „Der Wichtel hat Waschtag.“
Der Waschtag war Toves Idee gewesen. Tove, Milles kleine Schwester, war fünf und fand, dass Mille zu selten wusch. „Deine Socken stehen von allein“, hatte sie gesagt, was nicht ganz stimmte, aber fast. Also hatten sie in einem Fingerhut mit Seifenwasser gewaschen, bis der Flur nach Lavendel roch.
Das Aufhängen war die schwierige Hälfte. Tove wollte die Leine hoch, Mille wollte sie niedrig, und Großvater Aske wollte seine Ruhe, weshalb er die Leine einfach dort festband, wo er gerade stand. Dann kam der Wind. Im Flur gibt es keinen Wind, sagt man. Es gibt ihn, wenn die Haustür aufgeht.
Lea hatte die Haustür aufgemacht, um nach dem Regen zu sehen. Der Windstoß fuhr unter die Leine, und drei Socken flogen durch den Flur wie kleine gestreifte Vögel. Eine landete auf Molly. Molly blieb liegen. Sie hatte beschlossen, dass dies nicht ihr Problem war.
Mille rannte den Socken hinterher, Tove rannte Mille hinterher, und Aske rief von der Stufe, man möge bitte nicht rennen, Wäsche sei kein Grund zur Eile. Am Ende hing alles wieder, nur die Socke auf Molly nicht. Die blieb liegen, bis Molly aufstand, und lag dann auf dem Teppich wie ein kleines gestreiftes Versehen.
Als Jonas und Lea am Morgen kamen, war alles ruhig. Die Leine hing, die Wäsche wehte nicht, und im Schnee lag ein Zettel: Bitte die Haustür leise öffnen. Wir trocknen. Jonas las ihn Lea zweimal vor, und beide gingen auf Zehenspitzen aus dem Haus.
Die Socke auf dem Teppich fand niemand. Das heißt: Molly fand sie, und von da an schlief sie darauf, jede Nacht, eine große Katze auf einer winzigen gestreiften Socke. Tove nannte das Diebstahl. Mille nannte es Nachbarschaft. Aske sagte nichts und wusch zum ersten Mal seit Jahren freiwillig seine Mütze.








