Es begann mit einem Geräusch. Nachts, wenn das Haus schlief, klopfte es hinter der Fußleiste im Flur. Nicht laut. So leise, wie ein Fingernagel auf Holz klopft. Lea hörte es zuerst, weil ihr Zimmer am nächsten lag, und Jonas glaubte ihr nicht, weil er älter war und älter sein für ihn bedeutete, nicht alles zu glauben.
Am nächsten Morgen lag im Flur, genau dort, wo die Fußleiste den Knick macht, ein Streifen rot-weißes Papierband zwischen zwei Streichhölzern. Daneben stand eine Schubkarre, nicht größer als eine Walnuss, voll mit Kieseln. Ein Zettel steckte im Band: BAUSTELLE. BITTE NICHT STOLPERN.
Hinter der Wand hatte Mille Sorgen. Ihre Tür war alt, der Rahmen hatte sich im Sommer verzogen, und wenn sie die Tür zuzog, blieb ein Spalt, durch den der Flurwind pfiff. „Eine Tür muss schließen“, sagte Großvater Aske und klopfte mit dem Krückstock gegen den Rahmen, „sonst ist sie ein Loch mit Griff.“
Also bauten sie. Mille zeichnete einen Plan auf ein Stück Teebeutelpapier, Aske las ihn mit zusammengekniffenen Augen, und Tove, die fünf war und helfen wollte, reichte Nägel, die eigentlich Nadeln waren. Jede Nacht ein Stück: ein Brett, zwei Bretter, ein neuer Rahmen aus einem Eisstiel, den Jonas im Herbst verloren hatte.
Molly, die Katze, schaute zu. Sie lag auf dem Teppich, die Pfoten untergeschlagen, und tat, als interessiere sie das alles nicht. Aber wenn ein Kiesel aus der Schubkarre rollte, lag er am Morgen immer wieder an seinem Platz. Mille vermutete, dass Katzen heimlich ordentlich sind.
Die Kinder kamen jeden Morgen nachsehen. Das Band wanderte, die Schubkarre wurde leerer, einmal lag ein winziger Helm aus einer halben Eichel daneben. Jonas sagte nichts mehr davon, dass er nichts glaubte. Er legte stattdessen einen Keks neben die Schubkarre. Zur Stärkung, sagte er. Für wen auch immer.
In der letzten Nacht vor dem ersten Dezember war es so weit. Mille strich die Tür mit Beerensaft rot, Aske hängte den Kranz, Tove legte die Matte zurecht, auf der HEJ stand. Dann setzten sie sich auf die Stufe und hörten zu, wie das Haus über ihnen schlief.
Am Morgen war das Band verschwunden. An seiner Stelle stand eine kleine rote Tür, die Lea sofort sah und Jonas eine halbe Sekunde später. Die Schubkarre stand daneben, ordentlich geparkt. Und auf der Matte lag ein Brief, der so anfing, wie alle guten Dinge anfangen: Hej, ihr Lieben.








